LuPe 30: Muße und Erfolg - Ein Interview mit Brigitte Falk

Von Daniela Dannert-Weing 17. März 2020

Eine entscheidende Führungsqualität ist für Brigitte Falk, Mitglied der Spitzenfrauen Baden-Württemberg, das Grundvertrauen in andere Menschen. Eine andere, den wirklich wichtigen Dingen ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Gespräch über die Rolle der Muße bei der Arbeit und die Zufälle des Lebens.

Frau Falk, ursprünglich haben Sie Pädagogik studiert, später nach vielen Berufsjahren Management. Wie sind Sie zur IT gekommen?

Ich habe sogar noch Kunst, Germanistik, Kulturarbeit und Biologie studiert. Mitte der 1990er-Jahre wollte ich Leiterin einer Jugendkunstschule werden und während der Stellensuche habe ich für einen Monat bei SAP als Aushilfe angeheuert. Als ich mir in den ersten zwei Wochen für Bewerbungsgespräche freinahm, fragte mich der Abteilungsleiter, welche Ziele ich beruflich habe. Ich wollte eine Leitungsposition und an einem innovativen, kreativen Thema arbeiten. Er hat mir eine solche Aufgabe angeboten und noch ein bisschen mehr. So bin ich auf einen Schlag im Produktmanagement für Oil & Gas bei SAP gelandet.

Und haben im IT-Bereich Karriere gemacht. 2018 wurden Sie als erste Frau CIO of the Year in Deutschland, 2019 im Rahmen der Awardserie „Women in IT“ CIO of the Year Europa. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Es gibt kein Rezept außer: Der Zufall trifft den vorbereiteten Geist. Von Bertolt Brecht stammt der Spruch  „Alle rennen nach dem Glück, doch renne nicht zu sehr, das Glück rennt hinterher.“ Es ist wichtig, ab und zu Pausen einzulegen, zu reflektieren, wo es grundsätzlich hingehen soll, und sich daran auszurichten. Dann sollte man, gern auch aus dem Bauch heraus, die Chancen ergreifen, die sich bieten. Mit Blick auf meinen Karrierebeginn heißt das: Bei SAP konnte ich das machen, was ich wollte: führen und Innovationen voranbringen. Nur eben woanders als gedacht.

Auch Unternehmenserfolg ist eine Frage der richtigen Entscheidungen. Welche erfordern besondere Hingabe?

Erfolg folgt vielen Dingen. Die Entscheidungen sind nur das eine. Wichtig ist eine grundlegende Strategie, an der sich alle orientieren können. Intensiv widmen sollte man sich auch der Marktbeobachtung über die Branche hinaus sowie den Kommunikations- und Informationskanälen zu Kunden und Lieferanten. Dann kommen die Entscheidungen zur Priorisierung und zur operativen Umsetzung. Ich bin zwar eine Freundin von Agilität und Flexibilität, aber Entscheidung heißt Entscheidung. Unternehmen, die einen Schlingerkurs fahren, tun sich keinen Gefallen. Es sei denn, der eingeschlagene Weg stellt sich als grundlegend falsch heraus. Nach der Umsetzung kommt das, was die allermeisten vernachlässigen: Lessons learned, die Reflextion der Ergebnisse. Wie weit sind wir gekommen, wo können wir aus Fehlern lernen?

Wie findet man im Unternehmensalltag genügend Zeit für diese Aufgaben?

Die plane ich mir ein. Um Freiräume zu schaffen, kann man sich und seine Mitarbeiter beispielsweise von Aufgaben befreien, die einen nicht weiterbringen. Die gehören in die Tonne. Ich nenne das Müllabfuhr. Mein absolutes Lieblingstool. Ein weiterer Punkt: Statt mich von den „normalen“ Aufgeregtheiten im Unternehmensalltag treiben zu lassen, mache ich lieber in Ruhe fertig, was auf meiner Prioritätenliste ganz oben steht.

Haben Sie neben Ihrer Arbeit noch Muße für andere Dinge?

Ich habe an allen Wochenenden und Feiertagen frei. Das ist gesund für mich und meinen Körper. Wenn man sich zu viel aufgeladen hat, ist es besser, Aufgaben abzugeben oder Dinge wieder aufzugeben. Das habe ich mit meiner Promotion gemacht. Mein Privatleben und mein Beruf waren mir wichtiger als ein Doktortitel.

Brigitte Falk, Malik MZSG Executive, hat bei SAP ihre Karriere begonnen und verfügt über rund 25 Jahre Führungserfahrung in IT-Industrie, Groß- und Einzelhandel. Die mehrfach ausgezeichnete Spitzenmanagerin ist seit April 2019 Aufsichtsrätin bei Liebich & Partner und zudem ehrenamtlich für die Friedrich-Ebert-Stiftung tätig.

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