Netzwerkpartner findet man nicht per Katalog.

Von Christoph Dill 05. März 2019

Wie geht netzwerken? Darüber sprechen zwei, die es aus eigener Erfahrung wissen müssen: Frank Meyrahn, Berater bei 2hm und Dr.-Ing. Christoph Dill, Berater bei Liebich & Partner.

Wozu brauchen Unternehmen Netzwerke?

DILL: Die Welt ist komplexer, Wissen ist spezialisierter geworden. Unternehmen können nicht mehr alle Kompetenzen und alle Beziehungen im Haus haben.

MEYRAHN: Netzwerke machen Unternehmen agiler, schneller. Sie schaffen Kostenvorteile, weil man nicht alle Mitarbeiter bevorraten muss. Und sie machen kompetenter: Sie erlauben den Zugriff auf exzellente Mitarbeiter, denen man allein auf Dauer keine angemessene Aufgabe bieten könnte.

DILL: Netzwerkpartner ergänzen sich in ihrem Wissen. Das lässt sich beim genannten Sharing von Ressourcen nutzen, aber auch in gemeinsamen Kundenprojekten.

Was unterscheidet Netzwerk und Kooperation?

MEYRAHN: Ursprünglich bezeichnet Netzwerk nur eine Verbindung von Recheneinheiten. Und mit Blick auf die sozialen Netzwerke: Vernetztsein an sich ist noch keine Qualität. Erst wenn vernetzte Partner zusammenarbeiten, ohne das einer die Weisungsbefugnis hat, ist Netzwerk Kooperation.

DILL: Mit einem entscheidenden Unterschied zu früher. Früher waren Kooperationen statisch und auf Stabilität ausgelegt. Einer hatte das Sagen und alles war vertraglich fixiert. Heute umschließt eine Netzwerkpartnerschaft permanenten Wandel und die Autonomie der einzelnen Partner. Es ist ein Fließen. Man agiert auf Augenhöhe, lernt voneinander, entwickelt sich gemeinsam weiter.

Wie findet man den oder die richtigen Netzwerkpartner?

MEYRAHN: Netzwerkpartner findet man nicht per Katalog. Es ist eher wie in einer privaten Beziehung. Man spürt beim ersten Kennenlernen, ob elementare Werte stimmen, ob es grundsätzlich passt. Dann heißt es ausprobieren und zusammenwachsen.

DILL: Mit anderen Worten, für beide Seiten beginnt die Beziehungsarbeit. Nichts ist selbstverständlich. Man muss Irritationen klären, gewohnte Bahnen verlassen, sich Regeln erarbeiten und einen gemeinsamen Arbeitsmodus finden.

MEYRAHN: Ja, es gibt keine Anleitung zum Glücklichsein. Das Risiko des Scheiterns ist inbegriffen. Um sich darauf einzulassen, ist auch der Reiz des Neuen wichtig. Man hat seine eigenen Lebens- und Berufserfahrungen und merkt, da ist jemand, der geht mit anderen Erfahrungswerten und Wissen an ein Thema ran. Das bringt mir, meinem Unternehmen und meinen Kunden einen nicht nur wirtschaftlichen Mehrwert. Es entstehen Lösungen, die der eine oder andere Partner solo nicht entwickeln könnte.

Was zeichnet erfolgreiche Netzwerke aus?

DILL: Neben dem genannten Mehrwert sind es letztlich Vertrauen und Menschlichkeit. Man kann sich, ohne Blauäugigkeit natürlich, aufeinander verlassen. Beide Seiten achten darauf, dass die Partnerschaft nicht auf Kosten des Anderen geht. Über Fragen wie Eigentumsrechte, Haftung oder Ertragsanteile muss man gegebenenfalls reden, aber sie sind keine Verhandlungssache.

MEYRAHN: Nicht zu vergessen: Es ist spannend und macht Spaß. 

Mehr zu den Arbeitsmethoden rund um Netzwerke und New Work finden Sie auf unserer Themenseite: 

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Zum Netzwerk 2hm Forum/L&P
2hm Forum und Liebich & Partner sind Netzwerkpartner. Sie kombinieren in gemeinsamen Projekten Beratung, die aus Primärmarktforschung resultiert, mit klassischer erfahrungsbasierter Beratungsexpertise. Sinnvoll ist das immer dann, wenn Unternehmen Wissensneuland betreten und beispielsweise neue Märkte erschließen wollen.

Grafik: Jürgen Weing

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