Unternehmerisch Führen

Von Claudia Weyrauther 16. Juli 2020
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Ein Plädoyer für die Rückbesinnung auf das menschliche Bedürfnis des "unternehmens"

Haben Sie schon einmal Kinder auf dem Spielplatz beobachtet, wie sie wichtig und selbstbestimmt werkeln, verhandeln, tauschen, gestalten? Es ist meist nicht das unbedarfte, lustige Kinderspiel, das wir Erwachsenen uns so gerne ausmalen. Stattdessen sieht man konzentrierten Ernst, Wille und Zielstrebigkeit, Risikobereitschaft, Selbstvertrauen und Verhandlungscharme. Auch Kraft und Aggression. Alles, was eben dazu gehört, wenn man etwas unternimmt zur Erreichung eines gewünschten Ziels.

Ist Unternehmertum im Grunde nicht genau das: Wissen, was man will und vor allem warum? Die Bereitschaft alles für dieses Ziel zu geben, was man an Ideenreichtum, Engagement, Fähigkeiten und Kraft besitzt – und einiges dafür zu riskieren?

Verlust der Unternehmereigenschaft

„Sie bringt ihre Energie und Fähigkeiten stets selbstmotiviert in Projekte ein, verfolgt mit Überzeugung das gemeinsame Ziel. Sie denkt mit, traut sich vor, wenn es um die Suche nach neuen Lösungen geht, denkt dabei strategisch und über den Tellerrand hinaus. Mit kritischem Blick erkennt sie Dinge, die nicht gut laufen, und weist darauf hin, immer im Sinne der gemeinsamen Sache.“ So unternehmerisch würden wohl viele Führungskräfte ihre idealen Mitarbeiter*innen und viele Unternehmer*innen ihre idealen Führungskräfte beschreiben – und hätten gerne mehr dieser Persönlichkeiten im Team. Denn leider geht vielen Menschen im Laufe ihrer Entwicklung – im Elternhaus, im Kindergarten, in der Schule, im Beruf – ihr grundmenschliches Unternehmertum nach und nach verloren. Als Erwachsene unterscheiden sie sich dann sehr im Grad ihrer zielstrebigen Energie, Entscheidungs-, Verantwortungs- und Risikobereitschaft, die sie in ihre Tätigkeit einbringen wollen oder können.

Sicher nicht zu Unrecht stöhnen Unternehmer und Führungskräfte daher über Mitarbeiter, die nicht mitdenken und über deren fehlenden Einsatz. Im nächsten Moment verhindern Führungskräfte jedoch selbst genau dieses unternehmerische Mitdenken – aus Unwissen, Machtstreben oder Misstrauen. Sie fühlen sich in ihrem Misstrauen bestätig, ganz dem Gesetz der sich selbst erfüllenden Prophezeiung entsprechend, und zementieren damit die Überzeugung, dass in Unternehmen immer nur wenige tatsächlich unternehmerisch sind.

Unternehmerisches Denken ist Ein Skill von heute

Diesen unternehmerischen Abstand zwischen „oben“ und „unten“ können sich Unternehmen in Zeiten, in denen sie sich von alten Gewohnheiten und Gewissheiten rasend schnell verabschieden, nicht leisten. Gleichzeitig müssen sie grundlegend neu „denken“, um die Veränderungslücke zum Markt zu vermeiden. Solche unternehmerischen „Metamorphosen“ benötigen die gebündelte Kraft, das kritische, umsichtige und klare Denken, die Vielseitigkeit und Fantasie, die Überzeugung und Beharrlichkeit aller Beteiligten – auf ihre individuelle Weise.

Was wäre Reinhold Messner in der lebensfeindlichen Antarktis ohne Arved Fuchs, dem vielleicht graduell weniger „unternehmerischen“ jedoch des Navigierens und Funkens mächtigen, mitdenkenden Seemann gewesen?

Waren mitdenkende Mitarbeiter im „alten“ Unternehmenssystem Sand im Getriebe, sind genau sie es, die aus Sicht unternehmerischer Führung das Getriebe ausmachen. Das Ziel unternehmerischer Führung lautet daher:

  • Förderung und Freilegen der unternehmerischen Energie von Menschen und
  • sie zum unternehmerischen Denken und Handeln befähigen.

Eine neue Prophezeiung soll sich selbst erfüllen: Menschen, die sich ernst genommen, wertgeschätzt und als verantwortungsvolle Erwachsene behandelt fühlen, bringen sich auch als solche ein. Dazu gehört die Schaffung von Vertrauen und psychologischer Sicherheit einerseits, sowie die Befähigung zur Selbstbestimmung und -führung durch Handlungsspielräume und Informationstransparenz andererseits.

FAZIT

Unternehmerisch führen, bedeutet das Anstreben einer Zusammenarbeit reifer, mündiger „Unternehmer“. Denn das macht Unternehmen stark.

 

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