Was bedeutet Führung postcorona?

Von Christine Griebsch 13. August 2020
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Berichte, wie Unternehmen mit der Krise umgehen, gibt es wie Sand am Meer. Mein Eindruck: Durch Corona wurden viele wichtige Kompetenzen, aber auch massive Defizite sichtbar und zusätzlich beschleunigt, die alle vorher schon in Organisationen (und bei deren Führungsmannschaft) vorhanden waren. Worauf kommt es also bei der Führung in Corona und Post-Corona-Zeiten wirklich an? Fangen wir mit der guten Nachricht an:
 

Führung wird zur Gelegenheit für Veränderung

Führung bietet – gerade in unsicheren Zeiten –  Raum für Kreativität und Genialität und sollte nicht weiter allein auf gewohnte Managementtechniken und Fachwissen zurückgreifen. Durch die Digitalisierung, Globalisierung und Wissensgesellschaft war diese Chance für Veränderung schon lange Realität, und Corona wirkt hier wie ein Turbo.

Ein Paradox ist, dass es in der Ungewissheit ein starkes Bedürfnis nach allwissender, eindeutiger Führung gibt. Zugleich besteht aber heutzutage wachsende Skepsis und es ist schlicht unattraktiv, einem Leader widerspruchslos zu folgen. Wie also damit umgehen?

In Zeiten der Pandemie funktioniert es nicht mehr, mit abgeschlossenem Wissen und einer fertigen Strategie an Entscheidungen heranzugehen. Im Gegenteil, derjenige profitiert, der zugibt, dass er keinen genauen Plan hat und kritik- und anpassungsfähig ist. Nicht-Wissen ist also erlaubt! Studien belegen, dass das Einbeziehen von Expertenmeinungen kompetent wirkt und die Nutzung vorhandener Ressourcen im eigenen Team motiviert. 

Für Führungskräfte bedeutet Führung post Corona einen Wechsel von der Rolle des allwissenden Entscheiders hin zum dialogbereiten Moderator, der einen breiten Blickwinkel hat und zugleich Prioritäten setzen und, wenn nötig, schnell entscheiden kann – auch wenn die Entscheidungen mal falsch sein können.

Kommunikation entscheidet über neue Qualität von Unternehmerpersönlichkeiten

Einblick in die eigenen Sorgen und Ängste zu geben, wurde in Corona-Zeiten zu einer neuen Qualität von Unternehmerpersönlichkeiten. Ich denke da an den Bäckermeister, der unter Tränen sein Lebenswerk in Auflösung sah. Aus dieser Verletzlichkeit kann eine Stärke erwachsen, indem man den Schock des Kontrollverlustes nicht versteckt, sondern offen darüber spricht und ihn mit Mitarbeitern, vielleicht sogar Kunden teilt. Dieser Mut zum „nahbar sein" oder die Demut, nicht alles kontrollieren zu können und zu wollen, lässt Vertrauen entstehen, indem Macht und Status sich auflösen dürfen, und Raum für andere und für Größeres entsteht.

Damit Schwäche zur Stärke wird, ist die Art der Kommunikation entscheidend. Es geht in Krisen vor allem um ruhiges Zuhören, Nachfragen und präsent sein. Und nicht darum, als Führungskraft die Inhalte der Kommunikation alleine kontrollieren zu wollen. Aus der Resonanz auf unterschiedliche Ideen und Meinungen entstehen Transparenz und Sicherheit, auch wenn der Inhalt der Kommunikation selbst Unsicherheit sein mag. Führung besteht in Corona-Zeiten mehr denn je aus fließendem und wechselseitigen Kommunizieren.

Führung basiert auf Vertrauen – nicht nur in der Krise

Eine letzte Beobachtung möchte ich noch teilen. Mein Eindruck ist, dass Unternehmen und Führungskräfte, die vor der Krise eigenständiges Arbeiten, z.B. in agilen oder autonomen Einheiten, schon eingeübt hatten, besser vorbereitet waren, um in Home-Office-Strukturen und „remote statt onsite“ arbeitsfähig blieben. Derartige sich selbststeuernde Teams sind schon lange im Gespräch und Gegenstand von Change-Projekten. Sie können in Krisen tatsächlich gut für Stabilität sorgen, weil sie keiner zentralen Steuerung von oben bedürfen. Führung findet kollaborativ statt und setzt auf Delegation und Eigenverantwortung – und auf Vertrauen!

Vertrauen ist für mich in Zeiten der Pandemie ein zentrales Wort mit großer Wirkungskraft, eng verbunden mit dem Begriff der Hoffnung. Die Hoffnung, mit widrigen und unabänderlichen Rahmenfaktoren zurecht kommen zu können und mit dieser Botschaft als Führungsperson den Mitarbeitern Zuversicht zu schenken – vielleicht ist das letztlich die wichtigste Führungskompetenz während und post-Corona!

Wie es Ihnen gelingt, in schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben und diese Botschaft auch Ihren Mitarbeitern vermitteln, erfahren Sie, neben weiteren inspirierenden Inhalten, im 6wöchigen Online-Entwicklungsprogramm "Unternehmerisch führen".

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