Verweigerung – Ich will so bleiben wie ich bin. Doch mithalten wird nur, wer in die Geschwindigkeit seiner Organisation investiert.

Was passiert, wenn sich Unternehmen Veränderungen verweigern?

In der Computertechnik heißt es: „Never change a running system.“ Und es läuft ja wirklich gut für die deutsche Wirtschaft. Warum also etwas ändern? Hmm …, was würde eigentlich passieren, wenn nichts passiert, wenn sich Unternehmen der Veränderung einfach verweigern?

Die Digitalisierung schreitet voran. Wobei „schreiten“ eine Untertreibung ist. Laut dem Mooreschen Gesetz verdoppelt sich die Rechenleistung von Computerprozessoren etwa alle 18 bis 20 Monate. Diese Faustregel lässt sich nicht eins zu eins auf die Entwicklung des unternehmerischen Umfelds übertragen. Sie vermittelt aber doch eine Ahnung dessen, in welchem Maß die Digitalisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft neben dem technischen Fortschritt auch die Entwicklung von Markt- und Kundenanforderungen dynamisiert.

In einer netzorientierten Welt verändern sich wettbewerbsentscheidende Kriterien exponentiell. Entwickeln sich Unternehmen vor diesem Hintergrund weiterhin nur linear oder womöglich gar nicht, entsteht eine Veränderungslücke. Je größer die Lücke ist, desto leichter wird es für andere Unternehmen, sie erfolgreich zu besetzen. Die Gefahr geht dabei weniger von Wettbewerbern aus, die man schon kennt und im Auge behält, sondern – viel tückischer – von jenen, mit denen man gar nicht rechnet, weil sie aus anderen Bereichen kommen. Sie fallen schnell und gezielt in die Branche ein, mit neuen digitalen Geschäftsmodellen oder weil sie digital gestützt Chancen im bislang fremden Markt für sich erkannt haben. Ein Beispiel: Know-how aus der Zahnradtechnik im Automotive-Bereich lässt sich in der Medizintechnik, bei Herzschrittmachern, sehr gut nutzen. Ehe man sichs versieht, gelten in der vertrauten Branche schon neue Regeln.

Dann lieber wachsam sein und möglichst keine Lücken lassen. Geht nicht, solange intern alles beim Alten bleibt. Unternehmen, die an bestehenden Strukturen festhalten, bremsen sich in den temporeichen Zeiten der Digitalisierung selbst aus. Mithalten wird nur, wer in die Geschwindigkeit seiner Organisation investiert. Agiler werden Unternehmen jedoch nicht von heute auf morgen. Menschen streben nach Stabilität. Umso wichtiger ist es, anzufangen und kontinuierlich dazuzulernen. Über den Erfolg entscheidet letztlich die Führungsqualität. Von ihr hängt ab, ob die Mitarbeiter bereit sind, sich immer wieder neuen Aufgaben zu stellen, und, obwohl es Kraft und Energie kostet, so etwas wie Spaß an der Veränderung finden. Eine Alternative gibt es nicht: Ist das Unternehmen intern zu langsam, verliert es nach außen schnell den Anschluss.

„Wir kennen unseren Markt, wir kennen unsere Kunden.“ Ein Satz, aus dem Kompetenz, aber auch Bequemlichkeit spricht, wenn er zum Ausdruck bringen soll: „Datenwissen brauchen wir nicht.“ Datenbanken und Datenauswertungen helfen, komplexe Zusammenhänge und Tendenzen aufzudecken. Verzichten Unternehmen darauf, entgehen ihnen im besten Fall Potentiale, im schlimmsten Fall übersehen sie Fehlentwicklungen. Auch wenn manche Ergebnisse überraschend oder unangenehm sind, Daten lügen nicht. Welche für das Unternehmen relevant sind und welche nicht, ist allerdings eine andere Frage. Bewerten kann das nicht die Technik, sondern nur der Mensch. Am besten entscheiden abteilungsübergreifende Teams, welche Daten wie gematcht werden und welche Schlüsse man aus den Ergebnissen zieht. Die Kombination von intuitivem, persönlichem Wissen mit Datenwissen verrät am meisten über die Kundenbedürfnisse von morgen.

Autoren: Luis Weiler und Norbert Wölbl

4 Antworten
  1. Dirk Rennau says:

    Wohl wahr. Man denke beim Thema Digitalisierung bloss an KODAK.
    Die Notwendigkeit der Wandlungsbereitschaft und -fähigkeit ist unbestritten. Daten, deren Erhebung, Interpretation, Verknüpfung und Management allein sind aber glücklicherweise nicht der Stein des Weisen an sich. Es braucht nach wie vor (oder mehr denn je) kluge Köpfe, die ein tragfähiges Geschäftsmodell (daraus) entwerfen können.

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    • Luis Weiler
      Luis Weiler says:

      Lieber Dirk,

      schön, von Dir zu hören und danke für Deinen Beitrag. Wir hören in diesem Zusammenhang oft von Kunden und Geschäftspartnern, dass sie sich auf diesem Weg eine “Business Map” zulegen, die lautet: Nicht mit einer “entweder oder” sondern einer “sowohl als auch”-Haltung dem Ziel nähern.

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  2. Rainer Linse says:

    Die Zusammenhänge, wie von den Herren Weiler und Wölbl beschrieben, sehe ich ähnlich. Allerdings gab es schon immer Veränderungen in Organisationen, geplante und ungeplante, z. B. durch den neuen Chef, den neuen Kollegen, den neuen Mitarbeiter und/oder den neuen Berater oder Coach. Es gibt durchaus Menschen, die permanent nach Neuem streben, Verbesserungen suchen, neue Herausforderungen brauchen. Es gilt, den richtigen Mix aus Resilienz und Veränderung zu gestalten.
    Lange Zeit waren Daten (-friedhöfe) verpönt, man unterschied sie von (nützlichen) Informationen, im Zeitalter von big data ist eben auch “big brain” gefragt.

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    • Luis Weiler
      Luis Weiler says:

      Lieber Herr Linse,

      herzlichen Dank für Ihren Beitrag, den ich uneingeschränkt teile. Ein Flugzeug-Kapitän beherrscht kritische Momente auch durch Erfahrungswissen und verlässt sich nicht ausschliesslich auf “die Maschine”. Landung auf dem Hudson-River als Beispiel.

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