Was steckt hinter der Veränderungslücke?

  • Mooresches Gesetz: Veränderung ist nicht Linear

    Das Mooresche Gesetz sagt, dass alle 18 bis 24 Monate eine Verdopplung der Rechenleistung erreicht wird. Klingt simpel und erstmal harmlos.

    Aber nochmals: Verdoppelung der Rechnerleistung alle 18 bis 24 Monate? Richtig! Das ist also ein Exponentiell - und bis heute ist dies ungebrochen im Verlauf. Diese nahezu unvorstellbare Leistungssteigerung ermöglicht Dinge, von denen wir vor wenigen Jahren noch dachten, sie seien niemals machbar.



    Die Grundlage der Digitalisierungsdebatte

    Damit beschreibt das Moorsche Gesetz die Grundlage der Digitalisierungsdebatte. Die damit verbunden neuen Lösungen und Optionen sind in ihrer Vielfalt und Leistungsfähigkeit kaum überschaubar – zumindest nicht für längere Zeiträume. Das gilt auch für die Veränderungsrate in unserem unternehmerischen Umfeld.

  • Geschwindigkeit ist größter Einflussfaktor

    In Konsequenz darauf sind wir als Unternehmen diesem Wandel und dieser Geschwindigkeit ausgeliefert. Getrieben und Treibende gleichzeitig. Halten wir als Unternehmen diese Geschwindigkeit nicht oder nicht im gleichen Maß, vergrößert sich die Lücke zwischen der sich schnell und permanent verändernden Umwelt und unserer internen Wirklichkeit im Unternehmen. Es entsteht eine Veränderungslücke.

    Diese Lücke wird früher oder später von anderen, heute vielleicht noch nicht sichtbaren oder sogar noch nicht existenten Lösungsanbietern, gefüllt. AGFA, Dual, Nokia sind Beispiele, die diesen Wandel bereits hart zu spüren bekamen. Es ist also nicht die Frage, ob, sondern nur wann neue Lösungen angeboten werden, die diese Veränderungslücke schließen.

Darstellung der Veränderungslücke nach M. Sassenrath

Szenariotechnik - Wie kann man mit der Veränderungslücke aktiv und konstruktiv umgehen? 

Schlussendlich geht es um Beobachten und Reagieren, ohne den eigenen grundsätzlichen Plan zu verlieren. Das Problem bei der hohen Veränderungsgeschwindigkeit, der Vielzahl der Einflussparameter, die sich oftmals gegenseitig beeinflussen und verstärken ist, dass langfristige Strategien nicht mehr greifen. Auch unser Denken ist für Linearität und Mustererkennung (basierend auf Erfahrung aus der Vergangenheit) hervorragend geeignet. Exponentielle Veränderung können wir schwer greifen. Zu groß ist die gedankliche Veränderungslücke, zu groß die Vielzahl der potenziell möglichen Optionen und Ausprägungen.
 
Ein Werkzeug, das uns in diesem volatilen Umfeld helfen kann, ist die Szenariotechnik. Sie hilft uns logische Ketten und deren Vernetzung zu betrachten. Diese werden natürlich durch die Vielzahl der möglichen Kombinationen auch wieder unübersichtlich und unsicher – je weiter wir in die Zukunft schauen, desto mehr Glaskugel, das bleibt. Eine kompakte Darstellung des Szenarios ist im Szenario-Trichter möglich.
  • 1. Sinnvolle verschiedene Richtungsausprägungen ableiten

    Um auf sinnvolle Richtungsausprägungen zu kommen müssen wir einen Blick auf die Einflussgrößen richten. Diese sind den Experten in einem Sezenariofeld in der Regel bekannt, man „spricht über diese Themen“, sie sind quasi die (möglichen) Trends oder Megatrends. Unklar ist ob der Trend anhalten, sich durchsetzen oder vielleicht auch einfach wieder verschwinden wird. Genau dies soll ja dann der Beobachtungsraum im Szenario werden.

    Ein Beispiel: Schauen wir in den automobilen Wandle heute so ist erkennbar, dass es Grundsatzrichtungen wie

    - Autonomes Fahren,
    - Car-Sharing,
    - Elektrifizierung des Antriebsstrangs,
    - Steigerung des Komforts für die Insassen

     

    kommen könnten. Dies sind alles Richtungsausprägungen, diese können sich überlappen, sich ersetzen oder sich auch nie richtig durchsetzen. Allerdings lohnt es sich alle diese Stränge zu beobachten.

  • 2. Trigger-Ereignisse definieren

    Kurz: Triggerpunkte sind vorstellbare Ereignisse in näherer Zukunft.  Wenn wir die oben genannten Richtungsausprägungen betrachten, wird es Ereignisse geben, die den Trend in die eine oder andere Richtung verstärken. Bleiben wir hier im gleichen Beispiel wären das z.B.



    • Diesel-Fahrverbote die uns triggern mehr in Richtung Elektro zu gehen,
    • die CO2 Reduktionsentscheidung der EU und wie konsequent diese wirklich eingefordert wird kann uns mehr dem Szenario des emissionsfreien Verkehrs bringen.
    • Wenn Städte Car- Sharing- Autos die Erlaubnis auf Busspuren zu fahren geben würde, wäre das auch ein Trigger für dieses Szenario.

    Diese prägen die weitere Entwicklung nachhaltig. Treten sie ein, wird die eine Szenario-Ausprägung wahrscheinlicher, treten sie nicht ein die Andere. Wichtig dabei ist, dass sie überprüfbar sind und zeitlich in den nähren Zukunft eintreten (oder eben auch nicht).

  • 3. Entscheidungspunkte festlegen

    Im Gegensatz zum Trigger ist ein Entscheidungspunkt ein echter Halte- oder Wendepunkt. Diese kündigen sich meist durch mehrere zuvor aufgetretene Trigger an. Ein hier gut verständliches Beispiel ist der Atomausstieg. Fokushima war der letzte Entscheidende Triggerpunkt in dieser Kette. Das sprichwörtliche „Fass ist hier übergelaufen“ und die Entscheidung zum Ausstieg wurde gefasst. Dies bedeutet natürlich noch lange nicht, dass dies für alle Zukunft so gelten wird. Vielleicht ist ein kommender Entscheidungspunkt zurück zu Atomstrom noch vor uns. Die Diskussion um Elektromobilität macht dies vielleicht möglich, allerdings müssen die Triggerpunkte die uns vom Ausstieg wieder weg führen doch recht einschneidend sein...

     

PRAKTISCHE UMSETZUNG DER SZENARIOTECHNIK

 

Die Arbeit mit Szenarien ist eine typische Teamarbeit – was Sie brauchen ist ein Team aus Experten im Themenfeld, einen Moderator und einen Tag Zeit. Arbeiten mit Packpapier und Bleistift hat sich in unserer Praxis immer noch als Mittel der Wahl herausgestellt. Wenn es dann um die Feinarbeit geht, und Ergebnisse auch für die künftige Weiterarbeit gut dokumentiert werden müssen, eignet sich PowerPoint meist sehr gut. Für uns ist diese Form der Dokumentation unumgänglich, will man das Wissen langfristig nutzen. Auch steckt in der Aufbereitung nochmals ein Konzentrations- und Fokussierungsprozess, denn es geht darum, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Eine Power Point Vorlage erhalten Sie in unserem Download. Viel Erfolg bei der Arbeit mit Szenarien.

Über Szenarien bringen Sie Dinge auf den Punkt. Laden sich dazu hier Ihre Power Point Vorlage herunter. Viel Erfolg bei der Arbeit mit Szenarien.

  • Felix Pliester

    B.Sc.

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  • Tomas Schiffbauer

    Dipl.-Wirtsch.-Informatiker, Dipl. Coach, Partner

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  • Christoph Dill

    Dr.-Ing., Dipl. Coach, Vorstand, Partner

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