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Jahrelang ist die Fluktuation niedrig gewesen, doch plötzlich gehen reihenweise Kündigungen ein – das haben viele Unternehmen im späteren Verlauf der Corona-Pandemie erlebt. Angesichts dessen wird es immer wichtiger, Mitarbeitende zu halten. Viele Personalabteilungen befinden sich jedoch in der Klemme: Sie können kaum Gehaltszuschläge bieten, weil ihr Unternehmen derzeit schlechte Zahlen schreibt. Doch das Problem, auf Geld als Bindemittel verzichten zu müssen, kann auch eine Chance sein. Die Chance, sich mit der überfälligen Frage zu befassen, was ein Arbeitsumfeld wirklich attraktiv macht.

Preview:

  • Individuelle Angelegenheit: Warum pauschale Ansätze in Sachen Mitarbeiter- bindung nichts bringen
  • Unterschätztes Onboarding: Wie sich Bindung schon beim Jobeinstieg manifestiert
  • Gemeinschaftsgeist stärken: Welche Rolle identitätsbasierte Führung für die Mitarbeiterbindung spielt
  • Wo ich gestalten kann, da will ich sein: Was Job Crafting in Sachen Bindung bewirken kann
  • Vier-Tage-Woche: Warum das Modell kein Zaubermittel für die Arbeitgeberattraktivität ist

Leseprobe

Bei der IT-Beratung mindsquare hat sich die Fluktuation zeitweise sogar verdoppelt. „Weil durch mobiles Arbeiten die persönlichen Beziehungen abnehmen“, meint Personalvorstand Timm Funke. Seit einigen Monaten steuert das Bielefelder Unternehmen dagegen, das Thema „Bindung stärken“ steht jetzt ganz oben auf seiner Agenda. mindsquare hat zum Beispiel eine „Experience Managerin“ eingestellt, die für die 340 Mitarbeitenden positive Erlebnisse schaffen soll. Sie kümmert sich unter anderem um regelmäßige Events, betriebliches Gesundheitsmanagement und Benefits. Außerdem wurden interne Hobby-Communities gegründet, etwa für Brettspielfans, Golfer oder Läufer, die sich regelmäßig offline treffen. Und im vergangenen Sommer reiste die gesamte Belegschaft nach Mallorca. „Bindungen aufbauen, obwohl viel remote passiert“, beschreibt HR-Manager Funke die Aufgabe für die kommenden Jahre.

Ähnliche Programme legen derzeit viele HR-Abteilungen auf. Denn die Fluktuation hat bedrohliche Ausmaße angenommen: Zehn Prozent der Angestellten haben während der Pandemie ihren Job gewechselt, ergab eine Umfrage von Forsa Anfang des Jahres. Und vieles deutet darauf hin, dass die Fliehkräfte anhalten: Aktuell sind 42 Prozent der Beschäftigten wechselbereit oder schauen sich aktiv nach einer neuen Stelle um, hat die Wolf Managementberatung ermittelt. Vor dem Ausbruch der Pandemie 2019 lag der Wert bei nur 24 Prozent. Die Zahl der Angestellten mit Abwanderungsgedanken hat sich also fast verdoppelt. Gleichzeitig tobt der Krieg um Talente heftiger denn je: Bei mindsquare zum Beispiel ruft einmal pro Woche ein Headhunter an – bei jedem einzelnen, jeder einzelnen Angestellten wohlgemerkt.

Unternehmen stehen derzeit allerdings nicht nur vor dem Problem, dass bei ihnen die Belegschaft abschmilzt, sei es aufgrund freiwilliger Kündigungen oder demografiebedingt (400.000 Kräfte gehen pro Jahr in Rente, sagt die Bundesagentur für Arbeit). Viele haben auch mit der Herausforderung zu kämpfen, dass es ihnen schlechtere Geschäftszahlen kaum noch erlauben, höhere Gehälter zu zahlen, um die verbleibenden Kräfte zu halten. In früheren Jahren lag der Impuls oft nahe, zum vermeintlich sicheren Klebstoff Geld zu greifen, um Mitarbeitende zum Bleiben zu animieren. Abgesehen davon, dass eine marktgerechte Entlohnung Studien zufolge durchaus ein wichtiger Bindefaktor ist, war es allerdings immer schon zweifelhaft, ob ausgerechnet die Schippe mehr Geld entscheidend ist, wenn man Mitarbeitende halten will. Die Frage, was demgegenüber wirklich nachhaltig und langfristig bindend wirkt, stellt sich nun brennender denn je.

Auf 9 (neun) Seiten Fachartikel wird das Thema "Arbeitgeberattraktivität in Zeiten des Big Quiz" durch mehrere Experten differenziert betrachtet. U.a. Michael Schuh, Diplom-Psychologe, Partner und Coach unserer Management- und Personalberatung Liebich & Partner gibt Tiefeneinblicke zu den Themen Mitarbeiterbindung und Employer Branding. Seine 25 Jahre Beratungserfolg machen ihn zum Wegbereiter für individuelle und organisationale Resilienz in Unternehmen und Organisationen.

Erschienen ist der Artikel in der Fachzeitschrift managerSeminare, Heft 298 im Januar 2023. Holen Sie sich Ihren marktaktuellen Experteneinblick!

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