Human Ressource Management

Führung ist keine Frage des Alters

Bei der Auswahl von Führungskräften im White-Collar-Bereich legen Unternehmen den Fokus meist auf die Altersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren. Die Gründe sind schwer nachvollziehbar. Nicht zuletzt, weil der eingeschränkte Pool den Wettbewerb um die Kandidatinnen und Kandidaten unnötig verschärft. Wer den Blick nicht begrenzt, eröffnet sich neue Möglichkeiten. Gerade auch die Generation 50+ bringt vieles mit, was Unternehmen in stürmischen Zeiten benötigen.

Als Outplacementberaterin beobachtet Dipl. Kffr. Gaby Doll, dass Führungskräfte 50+ aktiv auch neue Karrierepfade gehen und bewusst teils Rollen eine Stufe unter ihrer bisherigen Position suchen. Sie sind motiviert, fokussiert, definieren sich aber nicht über den Titel auf der Visitenkarte.

Aus ihrer langjährigen Erfahrung im IT- und Digitalisierungsumfeld weiß Dipl. Wirt.-Inf. Francine Zimmermann, wie relevant ein agiles und zukunftsorientiertes Mindset für erfolgreiche Transformation ist. Und das ist keine Frage des Alters.

Strukturwandel, Digitalisierung, KI. In Transformationsprozessen brauchen Unternehmen Führungskräfte, die Erfahrung, Souveränität, Resilienz, nicht Beharrungsvermögen, aber Standing mitbringen. Erforderlich sind Menschen, die mit Menschen kommunizieren können, die Veränderung zielgruppengerecht erklären, Mitarbeitenden Orientierung geben und sie motivieren. Zu den notwendigen Skills in Umbruchzeiten gehören zudem – Stichwort „Better done than perfect“ – die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit mutig klare Entscheidungen zu treffen, diese schnell in die Umsetzung zu bringen sowie die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen.

Das spricht für Menschen, die Erfahrung mit Veränderung haben. Für alle, die zwischen 1965 und 1975 geboren wurden, waren diese auch im beruflichen Umfeld ein maßgeblicher Teil des Lebens. Ein Beispiel dafür ist der IT-Bereich, in dem klischeehaft oft nur den Jüngeren Agilität und Flexibilität zugesprochen wird. IT-Verantwortliche, die heute 50+ sind, haben ihre berufliche Laufbahn begonnen als die ersten PCs Einzug in Unternehmen und Büros hielten und leiten jetzt Projekte wie Cloud-Migrationen, KI-Einführungen etc. Mit ihrer Fähigkeit, neue Technologien einzuordnen, Teams durch Umbrüche zu führen und Strategien in unterschiedlichen Systemwelten umzusetzen, haben sie Veränderung nicht nur gemanagt, sondern über Jahrzehnte hinweg mitgestaltet.

Es lohnt sich also, bei der Suche nach Führungskräften die Bewerberinnen und Bewerber 50+ nicht schon im ersten Schritt auszusortieren und stattdessen über kompetenzbasierte Verfahren die tatsächliche Eignung der Einzelnen zu testen. Über Personaldiagnostiksysteme lassen sich beispielsweise individuelle Kompetenzen abfragen und benchmarken. Praxisbezogene Assessments (Real Cases, Führungssequenzen, Verhaltensbeispiele) bieten allen Teilnehmenden die Chance, sich in simulierten Führungssituationen zu beweisen. So können sie Stärken zeigen, die im Lebenslauf nicht sichtbar sind – unabhängig vom Geburtsjahr.

Die eigentliche Hürde sind nicht fehlende Fähigkeiten, sondern Klischees. „Personalauswahl neu denken“ bedeutet, sich von Lebensalter bezogenen Pauschalurteilen zu verabschieden und den einzelnen Menschen zu betrachten.

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