Prof. Dr. Thomas Smetana, CTO der ebm‑papst Gruppe, studierte an der TU Prag, promovierte an der TU Chemnitz und hat seit 2022 eine Professur an der Shanghai University inne. Seine Karriere begann er 2001 bei Schaeffler, wo er 22 Jahre in leitenden Positionen tätig war. 2023 wechselte er als CTO zur ebm-papst Gruppe und verantwortete dort den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsbereich für Luft- und Wärmetechnik. Professor Smetana ist Mitglied verschiedener Aufsichtsräte, Referent am St. Galler Management Institute, Autor und gefragter Keynote-Speaker. Mit Wirkung zum 1. Mai 2026 übernimmt er die Vorstandsposition des CTO bei Festo SE.
Nuray Iscan ist Partnerin und Personalberaterin bei Liebich & Partner. Seit rund zwei Jahrzehnten vermittelt sie Führungskräfte für das Top-Management. Ihr Schwerpunkt liegt auf technischen Führungsfunktionen. In dieser Zeit hat sie mehr als 200 Führungspositionen und C-Level-Funktionen erfolgreich besetzt. Zu ihren Kunden zählen vor allem mittelständische Industrieunternehmen unterschiedlicher Größenordnung.
Nuray Iscan: Herr Professor Smetana, warum richtet sich ebm-papst neu aus?
Prof. Dr. Tomas Smetana: Die Zukunftsausrichtung wurde 2022 durch den neuen Geschäftsführer Dr. Klaus Geißdörfer und das von ihm bestellte Managementteam eingeleitet. Die globale Situation, Märkte, Regionen, Kunden und Technologien hatte sich in den Vorjahren dramatisch verändert. Mit dem bestehenden Produktportfolio und der damaligen Strategie ließ sich kein nennenswertes Wachstum mehr generieren.
Von welchen Vorstellungen musste sich das Unternehmen für den Neuanfang lösen?
Es brauchte die Einsicht, dass die Produkte und die Organisationsstrukturen, die uns 60 Jahre lang erfolgreich gemacht haben, heute einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Produkte kommodisieren und werden anderswo schneller und preiswerter hergestellt. Über Jahre gewachsene Strukturen entsprechen nicht denen eines global operierenden Weltmarktführers. Unsere Chance liegt also in der Innovation – von Produkten und Prozessen bis zu Organisation und Menschen.
Daraus entstand das Change-Programm „Innovation for Growth“.
Genau. Es baute auf der Gleichung „Portfolio x Prozess x People = Purpose“ auf. Wir mussten im Forschungs- und Entwicklungsbereich alle drei Variablen transformieren, um den Purpose zu erreichen. Was ist der Purpose? In vielen Unternehmen nur die Steigerung von Umsatz und EBIT. Das reicht mir nicht. Neben den finanziellen Zielen waren daher auch die Neudefinition des Mehrwerts für unsere heutigen und zukünftigen Kunden, die Nachhaltigkeitsziele und die Menschen Teil des Purpose. Ziel von Veränderungen sollten immer auch zufriedene, engagierte und performante Mitarbeitende sein. Es ist erwiesen, dass ein zufriedenes Team zu einer höheren Unternehmensrentabilität führt.
Wie haben Sie die Variablen transformiert?
Beim Portfolio haben wir uns auf acht Fokusfelder mit insgesamt gerade mal 25 Innovationsprojekten konzentriert. In den einen geht es darum, was wir neu tun können, in den anderen um die Optimierung des aktuellen Kernportfolios. Wir investieren also nicht mehr in hunderte von Ideen, sondern nur noch, und dafür mehr, in die vielversprechendsten. In der Prozesslandschaft zielen wir vor allem darauf, durch KI und Digitalisierung die Time-to-Market zu verkürzen. Das schwierigste Thema ist die Transformation der Kompetenzen im Bereich People. Über ein 5-Jahres-Programm wollen wir zum einen weniger benötigte Kompetenzen ausphasen und durch neue ersetzen. Zum anderen bieten wir Up-Skilling an. Dabei beobachten wir, dass die Bereitschaft dazu keine Altersfrage ist. Gerade die älteren, erfahrenen Mitarbeitenden haben schon so manche Krise erlebt und wissen: Die Realität lässt sich nicht ignorieren. Die einzige Konstante im Leben ist die permanente Veränderung.
In welchen Produkten, Branchen, Regionen sieht ebm-papst den künftigen Unternehmenserfolg?
Angesichts der Weltlage ist ein ausgewogenes, differenziertes Portfolio von Produkten und Marktsegmenten mit starker regionaler Präsenz der Schlüssel zum Erfolg. Daher legen wir abhängig von Produktlebenszyklen und Branche für jede Region Schwerpunktaktivitäten fest. Deutschland steht meist am Anfang der Lebenszyklen. Hier investieren wir in wirklich neue Innovationen für Ventilatoren, Pumpen, Kompressoren und digitale Lösungen. In der Produktwachstumsphase regionalisieren wir dann abhängig von der Branchenentwicklung. China zählt beispielsweise zu den größten Produzenten von Halbleitern und Batterien. Unsere Produkte für die Reinraumfertigung entwickeln wir daher auch, local for local, in China inkrementell weiter – mit der Prämisse, dass sie global anwendbar sind. In Südostasien legen wir den Schwerpunkt marktorientiert auf Retrofit-Produkte zur Gebäudesanierung, in den USA auf hocheffiziente Lösungen für Rechenzentren. Auch die Fertigung erfolgt in den jeweiligen Märkten vor Ort. In späteren Lebenszyklusphasen produzieren wir in Best-Cost-Countries oder sogar über Auftragsfertiger.
Das heißt, Sie bauen weltweit Ressourcen für die Forschung und Entwicklung aus?
Ja, diese Internationalisierung ist uns wichtig. Und das nicht nur, weil uns eine internationalere bzw. grundsätzlich diversere Aufstellung der Entwicklungsteams bei der Bewältigung des Fachkräftemangels hilft. Innovation lebt von der Vielfalt. Vom Austausch globaler Kompetenzen ebenso wie von den unterschiedlichen soziokulturell geprägten Herangehensweisen. In den gesättigten Industrieländern profitieren wir von der Aufbruchstimmung, dem Optimismus und der Kreativität der Menschen aus wirtschaftlich aufstrebenden Regionen.
ebm‑papst Gruppe
Die ebm-papst Gruppe mit Hauptsitz in Mulfingen, Baden-Württemberg, ist weltweit führender Hersteller von Ventilatoren und Motoren und bedient mit seinen Produkten zahlreiche Branchen wie Luft-, Kälte- und Klimatechnik, Heizungstechnik, IT, Maschinenbau und Medizintechnik. Das 1963 gegründete Familienunternehmen beschäftigt heute rund 13.500 Mitarbeitende an knapp 30 Produktionsstandorten, unter anderem in Deutschland, China und den USA, sowie in etwa 50 Vertriebsniederlassungen.
Die Innovations- und Nachhaltigkeitsleistungen der ebm-papst Gruppe wurden mehrfach national und international ausgezeichnet. Unter anderem erhielt das Unternehmen 2025 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Liebich & Partner unterstützt die ebm-papst Gruppe mit seiner Expertise sowohl im Managementbereich als auch bei der Besetzung von Fach- und gehobenen Führungspositionen.
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