Der zukunftsorientierte Lotse – Warum der Kaufmännische Leiter mehr ist als ein Zahlenmensch
Vom Hüter der Zahlen zum Motor der Veränderung.
Strategische Planung, Datenqualität und digitale Transformation prägen zunehmend die Arbeit von CFOs. Marius Kettler, kaufmännischer Leiter der Lieblang-Gruppe, spricht mit Günter Walter darüber, wie sich die Funktion verändert, welche Rolle künstliche Intelligenz spielt und welche Anforderungen sich daraus für Führung ergeben.
Seit April 2026 verantwortet Marius Kettler als kaufmännischer Leiter den Finanzbereich der Lieblang-Gruppe. Die 1951 gegründete Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Mannheim zählt zu den 25 größten Facility-Service-Unternehmen Deutschlands. Sie beschäftigt bundesweit mehr als 7.000 Mitarbeitende und bietet infrastrukturelle Dienstleistungen rund um Immobilien an. Die Unternehmensstruktur umfasst zwei handelsrechtliche Konzerne, zwei Managementkonzerne und rund 30 Gesellschaften, die vom Finanz- und Rechnungswesen betreut werden.
Zu Kettlers zentralen Aufgaben gehört es, die Transparenz und Steuerbarkeit der Unternehmensgruppe zu verbessern sowie das Liquiditätsmanagement und die Liquiditätsplanung weiterzuentwickeln.
Kettler war zuvor in mittelständischen Unternehmensgruppen, Familienunternehmen, der Restrukturierungsberatung und im öffentlichen Sektor tätig. Von diesen Stationen profitiert er nach eigener Einschätzung bis heute. Zwar seien die Herausforderungen jedes Unternehmens individuell, zugleich gebe es wiederkehrende Fragestellungen und übertragbare Lösungsansätze.
Als besonders prägend beschreibt er seine Erfahrungen in der Liquiditätsplanung, in der Kommunikation mit Finanzierern und bei der Begleitung von M&A-Prozessen. Auch die Einführung eines neuen ERP-Systems für 200 Nutzer während der Corona-Pandemie habe wichtige Erkenntnisse vermittelt. Sein Fazit: Nicht jedes Projekt könne bis ins letzte Detail vorbereitet werden. Entscheidend sei, auf einer belastbaren Grundlage zu handeln und Verantwortung für die Umsetzung zu übernehmen.
Marius Kettler, Kaufmännischer Leiter der LIEBLANG Dienstleistungsgruppe darüber, wie sich die CFO-Rolle verändert.
LesenDie Rolle des CFO hat sich aus Kettlers Sicht deutlich erweitert. Verlässliche Abschlüsse und Reportings bleiben unverzichtbar, genügen aber nicht mehr. Insbesondere in familiengeführten Unternehmen müsse der CFO wirtschaftliche Zusammenhänge erläutern, Handlungsoptionen aufzeigen und als Sparringspartner der Gesellschafter und der Geschäftsführung auftreten.
Dafür sei neben finanzwirtschaftlicher Expertise eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit erforderlich. Da im Finanzbereich die wirtschaftlichen Informationen des Unternehmens zusammenlaufen, steht der CFO mit nahezu allen Unternehmensbereichen in Kontakt. Zu seinen Aufgaben gehört es deshalb, komplexe Sachverhalte verständlich einzuordnen und daraus relevante Schlussfolgerungen abzuleiten.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern auch die Arbeit im Finanzbereich. Digitale Anwendungen haben in den vergangenen Jahren vor allem die Erfassung und Verarbeitung von Daten automatisiert. KI eröffnet nun zusätzliche Möglichkeiten, Daten zu analysieren und zu validieren.
Die Qualität der Ergebnisse hängt jedoch von den zugrunde liegenden Daten und Prozessen ab. Kettler beschäftigt sich daher intensiv mit der Frage, wie Kennzahlen im Unternehmen entstehen und ob sie tatsächlich die erwarteten Sachverhalte abbilden. Der CFO müsse technologische Entwicklungen verfolgen, ihren Nutzen für das Unternehmen bewerten und die Ergebnisse fachlich überprüfen.
Parallel dazu gewinnt die vorausschauende Steuerung an Bedeutung. Kettler beobachtet eine zunehmende Risikoaversion bei Banken und anderen Finanzierern. Für Unternehmen steigen damit die Anforderungen an Planung, Dokumentation und Reporting.
Der CFO müsse deshalb politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig beobachten und deren mögliche Auswirkungen auf das Geschäftsmodell bewerten. Szenarien und Stresstests könnten helfen, Risiken und Chancen rechtzeitig zu erkennen. Dabei müsse der CFO nicht jede Lösung selbst entwickeln. Seine Aufgabe bestehe auch darin, relevante Fragen zu stellen, Diskussionen anzustoßen und die zuständigen Fachleute zusammenzubringen.
Als Führungskraft setzt Kettler auf Verbindlichkeit, gegenseitigen Respekt, nachvollziehbare Entscheidungen und Vertrauen. Gerade in einer dezentral organisierten Unternehmensgruppe sei Berechenbarkeit wichtig. Mitarbeitende sollten Entscheidungen nachvollziehen können und erfahren, aus welchen Gründen sich Einschätzungen oder Prioritäten verändern.
Für die Zukunft erwartet Kettler steigende Anforderungen an Technikaffinität, Reaktionsgeschwindigkeit und Veränderungskompetenz. Erfolgreiche CFOs müssten Finanzexpertise mit unternehmerischem Denken, Kommunikationsstärke und digitalem Verständnis verbinden. Zugleich komme ihnen die Aufgabe zu, Mitarbeitende in Veränderungsprozesse einzubeziehen und die Weiterentwicklung der Berufsbilder im Finanz- und Rechnungswesen aktiv zu begleiten.
Günter Walter
Partner, Personalberater, Executive Search
Liebich & Partner
Insgesamt hat Günter Walter in seiner Beratungskarriere mehr als 300 Führungskräfte-Positionen passend und langfristig für Unternehmen und Organisationen besetzt. Der Profi zählt zu den Erfolgsgaranten …
ProfilVom Hüter der Zahlen zum Motor der Veränderung.
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