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LuPe 09

„Treue?“

Können, wollen oder sollen Mitarbeiter treu sein? Oder ist das eine verstaubte und verkrustete Sichtweise, die weder Produktivität noch Leistungsbereitschaft beeinflusst? Macht Treue blind für den Blick über den eigenen Tellerrand?  Gibt es den Produktivitätsfaktor Loyalität oder ist das mal wieder ein Marketing-Gag im Sumpf der Consulting-Plattitüden?

Willkommen in der LuPe No. 9 – das Thema Treue ist nicht nur geeignet für Eheberatungen, es hat auch in Organisationen und Unternehmen Bedeutung, finden wir. Eine ganze LuPe voller Treue mit unterschiedlichen Perspektiven – das könnte spannend werden. Wie immer freuen wir uns auf Ihr Feedback. Viel Spaß mit der Lupe No. 9!

Nur was für Management-Romantiker oder moderner denn je: TREUE?

Liebe Leserinnen & Leser,

„Treue ist mehr als die Summe der nicht genutzten Gelegenheiten“ – dieser von einem Freund in privater, geselliger Runde ausgesprochene Satz ist auf den beruflichen Bereich übertragbar. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Research-Abteilung können sehr genau Auskunft geben, wie es um die Treue der Belegschaften von Unternehmen bestellt ist. Wenn der „Headhunter“ anruft, zeigt sich schnell, wie stark die Bindung der angesprochenen Personen zu ihrem Arbeitgeber ist.

Vor dem Hintergrund des Fach- und Führungskräftemangels gelten eben auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt marktwirtschaftliche Regeln. Unternehmen müssen sich nicht nur auf ihrem angestammten Markt, sondern auch im „Kampf um die Talente“ einem Wettbewerb stellen und probate Mittel zur Mitarbeiterbindung einsetzen. Keine leichte Aufgabe vor dem Hintergrund einer zunehmenden „Bindungslosigkeit“ in unserer Gesellschaft und der Tatsache, dass bei der Besetzung von attraktiven Positionen oftmals derjenige im Vorteil ist, der über Erfahrungen aus mehreren Unternehmen verfügt. Zudem zahlen sich berufliche Wechsel in der Regel monetär aus, während treue und langjährige Mitarbeiter keine vergleichbaren Gehaltssprünge machen. Trotz allem kein Grund für die Unternehmen in Resignation zu verfallen. Es stehen viele personalpolitische Instrumente zur Verfügung, die wirksam zur Erhaltung bzw. Steigerung der Mitarbeiterbindung eingesetzt werden können. Beispielhaft sollen an dieser Stelle das Leistungsträger/Wissensträger-Portfolio, die Mitarbeiterbefragung oder eine Positionierung als attraktiver Arbeitgeber erwähnt werden.

Die Formel „Je attraktiver der Arbeitgeber, desto treuer die Mitarbeiter“ klingt einfach, bedeutet für Unternehmen aber vor allem harte Arbeit an sich selbst. Die Eventagentur marbet mit Sitz in Künzelsau hat sich, unterstützt von Liebich & Partner, der Anstrengung gestellt. Das Ergebnis ist laut WirtschaftsWoche ausgezeichnet (S. 3/4). Eine maßgebliche Rolle bei der Mitarbeiterbindung spielen die direkten Vorgesetzten. Nur durch starke Führungsleistung können sie die Beziehungen festigen (S. 5).

Eine ketzerische Frage: Sollen Beziehungen denn ewig dauern? Unser Karriereberater setzt aus Mitarbeitersicht ein klares Nein. Treue ist gut, muss aber rechtzeitig ein Ende haben (S. 6). In Zeiten des Senioritätsprinzips hat sich Treue für die Mitarbeiter ausgezahlt. Unternehmensstrategisch gesehen ist es allerdings besser, statt Verweildauer Funktion und Leistung zu vergüten. Dann klappt das mit der Treue von allein (S. 6/7).

Wir selbst sind der stadtnahen Villa in der Schützenstraße untreu geworden. Seit Ende August arbeiten wir im Marstall Unterlinden in der Baden-Badener Cité. Eine Veränderung, die sich gelohnt hat (S. 8).

Treue betrachtet man am besten aus mehreren Perspektiven. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine abwechslungsreiche Lektüre.

Ihr Wilfried Bantle

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