Experten-Leitfaden: Erfolgsfaktoren für Change Management
Wenn sich Unternehmen verändern müssen: Ohne die Menschen geht es nicht.
Ab 2026 werden Transparenz, fair gestaltete Gehaltsstrukturen und stringente Berichtspflichten keine freiwilligen Good-Practice-Maßnahmen mehr sein – sondern gesetzliche Pflicht. Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz gibt für Lohngerechtigkeit und Vergütungssysteme neue Spielregeln vor und rückt das Thema mehr denn je in den Fokus von Unternehmensführung und Personalmanagement. Dr. Thomas Gawron, Management-Experte für Führung und Personalentwicklung, u.a. der Gestaltung von Gehaltsbändern über die Folgen und To Do’s für Unternehmen.
Mit dem neuen Entgelttransparenzgesetz steigt für Unternehmen der Druck, ihre Vergütungsstrukturen transparent, nachvollziehbar und diskriminierungsfrei zu gestalten. Für viele Organisationen bedeutet dies mehr als eine formale Pflicht: Sie müssen Ordnung in ein Thema bringen, das oft historisch gewachsen ist und bislang nicht durchgängig strukturiert behandelt wurde. Viele mittelständische Unternehmen nutzen die gesetzlichen Anforderungen nun als Anlass, ihre eher ‚historisch gewachsenen‘ und informell entstandenen Vergütungsstrukturen zu überprüfen und klarer zu definieren. Unternehmen, die sich nicht vorbereiten, riskieren rechtliche Konflikte, Reputationsschäden und finanzielle Belastungen durch Nachzahlungen. Zudem kann fehlende Transparenz das Vertrauen der Mitarbeitenden in eine faire und leistungsgerechte Bezahlung beeinträchtigen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen.
Die gesetzlichen Vorgaben markieren damit nicht nur einen regulatorischen Rahmen, sondern setzen zugleich einen Impuls für eine umfassende Professionalisierung. Gleichzeitig entsteht für Unternehmen die Chance, ihre Vergütungssysteme so auszurichten, dass sie sowohl den rechtlichen Anforderungen entsprechen als auch einen erkennbaren unternehmerischen Mehrwert schaffen. Entlohnungsgerechtigkeit stärkt Vertrauen, signalisiert Wertschätzung und fördert die langfristige Bindung von Mitarbeitenden – Faktoren, die angesichts des Fachkräftemangels zunehmend an Relevanz gewinnen. Fünf zentrale Eckpfeiler können Unternehmen dabei unterstützen, ihre Vergütungsmodelle grundlegend zu modernisieren. Sie greifen ineinander und entfalten ihre Wirkung nur dann vollständig, wenn sie als Gesamtsystem verstanden und gemeinsam umgesetzt werden.
Der erste Schritt zu einer transparenten Vergütung ist eine klar strukturierte Organisation. Verbindlich festgelegte Hierarchiestufen – vom Top-Management über Bereichs- und Teamleitungen bis hin zu spezialisierten Fachrollen – schaffen Orientierung. Mitarbeitende erkennen Verantwortungsebenen und verstehen, welche ‚formalen‘ Verantwortungsbereiche es im Unternehmen gibt. Diese Transparenz bildet das Fundament eines fairen und konsistenten Vergütungssystems.
Gehaltsbänder definieren Mindest-, Median- und Höchstwerte für jede Rolle und jedes Level. Sie sorgen für Vergleichbarkeit, erhöhen die Nachvollziehbarkeit und reduzieren subjektive Einzelentscheidungen. Unternehmen schaffen damit konsistente Rahmenbedingungen, die eine diskriminierungsfreie Vergütung erleichtern.
Damit Hierarchien und Gehaltsbänder in ihren ‚Zusammenspiel‘ plausibilisierbar werden, müssen Rollen klar beschrieben sein. Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Qualifikationen sollten eindeutig definiert werden. Rollenprofile verdeutlichen, wie sich Vergütung begründet, und erleichtern es Mitarbeitenden, Entwicklungspfade nachvollziehbar zu erkennen.
Vergütung umfasst weit mehr als das Grundgehalt. Zulagen, Zuschläge, Boni, Erfolgsbeteiligungen oder Provisionen sollten ebenso transparent dokumentiert sein wie nicht-monetäre Leistungen – etwa Weiterbildungsprogramme. Unternehmen sollten eine bewusste Entscheidung treffen, wie sich das Gesamtgehalt entlang der Hierarchiestufen, Gehaltsbänder und Rollen im Unternehmen zusammensetzt.
Ein wirksames Vergütungssystem setzt voraus, dass Führungskräfte nach einheitlichen Kriterien – beispielweise bei der Leistungs- oder Kompetenzeinschätzung – bewerten und die Bewertung nachvollziehbar an den Mitarbeitenden kommunizieren. Leistungs- und Kompetenzanforderungen müssen transparent sein und von Führungskräften im Sinne des Mitarbeiters konsequent umgesetzt werden. Für viele Unternehmen bedeutet dies eine Professionalisierung ihrer Führungskultur, die weit über das Vergütungsthema hinaus Wirkung entfaltet.
Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen. Im Rahmen eines Workshops werden Strukturen glattgezogen, Transparenzlücken geschlossen, Rollen geschärft und bestehende Mechanismen überprüft. So gelingt es in einem schlanken Prozess, ein konsistentes, modernes und rechtssicheres Vergütungssystem zu etablieren, das die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig die Arbeitgeberattraktivität und Leistungsfähigkeit des Unternehmens stärkt.
Dr. Thomas Gawron
Managementberater Digitale Transformation, Führungstrainer, Key Note-Speaker
Liebich & Partner
Dr. Thomas Gawron blickt auf eine 30-jährige Karriere als Führungskraft in renommierten DAX- und MDAX-Unternehmen zurück. Als Geschäftsführer eines führenden IT-Dienstleisters leitete er in seiner Funktion …
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