Führen in der Krise ist keine Raketenwissenschaft und gut erlernbar!
So verrückt es klingen mag, Krisen eröffnen herausfordernde Aufgaben, die im „Tagesgeschäft“ oftmals vermisst werden.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin im Krebsgang: Für 2025 rechnet das Bundeswirtschaftsministerium mit einem BIP-Wachstum von nur 0,6 % – ein erneut schwacher Wert nach dem Rückgang im Vorjahr*. In dieser Phase der konjunkturellen Abkühlung wächst der Handlungsdruck für Unternehmen. Doch anstatt in hektischen Aktionismus zu verfallen, bietet sich jetzt die Gelegenheit, innezuhalten, zu optimieren – und gezielt zu erneuern.
Unsicherheiten wie geopolitische Spannungen, volatile Märkte, zunehmende Regulierung und ein beschleunigter Technologiewandel sorgen für eine angespannte Lage. Viele Unternehmen stellen sich daher die Frage: Wie sichern wir unsere Zukunftsfähigkeit unter diesen Bedingungen?
Der Schlüssel liegt in einer klaren Strategie: Bestehendes intelligent entschlacken – und parallel gezielt Neues aufbauen. Gerade jetzt, wo die Auftragslage abnimmt, lohnt es sich, verborgene Ineffizienzen in Prozessen aufzuspüren und abzustellen. Diese „Time for Savings“ schafft nicht nur finanziellen Spielraum, sondern auch personelle Kapazitäten, die in den notwendigen Wandel investiert werden können.
Während ein Teil der Belegschaft bestehende Prozesse überprüft, Strukturen verschlankt und Kosten senkt, kann der andere Teil fokussiert und mit der nötigen Muße an Zukunftsprojekten arbeiten. Ob neue Geschäftsmodelle, innovative Produkte oder organisatorischer Umbau: Der Wandel braucht nicht nur Ressourcen, sondern auch ein Umfeld, das Kreativität und strategisches Denken zulässt.
Wie begegnet man den veränderten äußeren Einflüssen und orchestriert diese gleichzeitig von Vorteil fürs Unternehmen?
LesenEntscheidend ist dabei, dass Unternehmen ihre Stärken und Schwächen realistisch einschätzen. Wer sich technologische oder kulturelle Defizite eingesteht, kann gezielt an deren Behebung arbeiten – und klarer bestimmen, welches Tempo beim Wandel realistisch ist. Orientierung an erfolgreichen Beispielen aus dem Markt kann inspirieren, sollte aber nicht zu blindem Kopieren führen.
Unternehmen verändern sich meist erst, wenn der Schmerz groß genug ist. Dabei wäre vorausschauende Strategieanpassung in kürzeren Zyklen oft wirksamer. Jetzt ist die Gelegenheit, genau damit zu beginnen.
In dieser zweigleisigen Transformation ist Führungsqualität der zentrale Erfolgsfaktor. Es braucht Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben, Risiken ehrlich benennen und gleichzeitig Chancen sichtbar machen. Menschen, die Ruhe ausstrahlen, auch wenn es unübersichtlich wird – und die durch Transparenz und Vertrauen ein belastbares Fundament für Wandel schaffen.
Jetzt investieren, um morgen voraus zu sein. Unternehmen, die jetzt klug sparen und gezielt investieren, bauen sich einen Vorsprung für die Zukunft auf. Statt bloß auf Besserung zu hoffen, gestalten sie aktiv ihre nächste Erfolgsphase – mit klarem Blick, strategischer Ruhe und der richtigen Portion Mut.
*Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): Frühjahrsgutachten 2025, Stand: Mai 2025.
Steffen Hilser
Vorstand, Partner, Managementberater
Liebich & Partner
Steffen Hilser ist ein erfahrener und umsetzungsorientierter Strategieberater. Er gewinnt die Menschen im Unternehmen für neue Lösungswege, erreicht ihre Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen und kann so …
ProfilSo verrückt es klingen mag, Krisen eröffnen herausfordernde Aufgaben, die im „Tagesgeschäft“ oftmals vermisst werden.
Technologie und Markt geben heute den Takt vor – mit Auswirkungen auf die Menschen und Organisationen.
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