Erfolgsentscheidend ist nicht ob, sondern wie Unternehmen digitalisieren
Offene Stellen können nicht besetzt werden. Arbeit verdichtet sich. Die Menschen in Unternehmen müssen mehr leisten.
Deutschland diskutiert derzeit intensiv über Standortnachteile, Bürokratie und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Dr. Andreas Widl richtet den Blick in seinem Vortrag der Impulse-Reihe bei Liebich & Partner bewusst nach vorne. Der Vorstandsvorsitzende und CEO des Industrieunternehmens SAMSON spricht nicht über Stillstand, sondern über Gestaltung. Nicht über Verzicht, sondern über Investitionen. Und nicht über die Grenzen des Standorts Deutschland, sondern über dessen Potenziale.
„Deutschland kann mehr“, so Widl. Für ihn beginnt erfolgreiche Transformation nicht mit neuen Technologien oder Künstlicher Intelligenz. Sie beginnt mit einer Haltung. Wer Zukunft gestalten wolle, müsse bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, mutige Entscheidungen zu treffen und konsequent in die Zukunft zu investieren. Dass diese Haltung mehr ist als ein Lippenbekenntnis, zeigt das Projekt MainChange. Mit rund 500 Millionen Euro realisiert SAMSON eines der größten privat finanzierten Industrieprojekte Deutschlands. Auf einer Fläche von 143.000 Quadratmetern entsteht ein neuer Produktionsstandort, der rund 2.000 Arbeitsplätze sichert und moderne Fertigung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung miteinander verbindet.
Der Energieverbrauch soll gegenüber dem bisherigen Werk um rund 30 Prozent sinken, mehr als die Hälfte des Strombedarfs wird künftig durch Photovoltaik und Energierückgewinnung gedeckt. Das Projekt steht beispielhaft für eine Industrie, die sich nicht auf kurzfristige Optimierungen beschränkt, sondern ihre Zukunft grundlegend neu gestaltet. Mit den Worten „Unser neuer Standort ist das Kompetenzzentrum der gesamten SAMSON-Gruppe“ unterstreicht Widl das klare Bekenntnis zum Standort Deutschland.
SAMSON AG
Günter Walter, Partner Personalberatung bei Liebich & Partner, betont „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Zuversicht keine naive Hoffnung, sondern eine Führungsaufgabe.“ Transformation beginne mit einer klaren Vision und der Bereitschaft, diese konsequent zu verfolgen
„Vision allein genügt jedoch nicht“, so Jan Burghardt, Partner der Managementberatung bei Liebich & Partner. „Entscheidend ist ihre Umsetzung. Unternehmen müssen bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, zu investieren und kalkulierte Risiken einzugehen. Wer ausschließlich bestehende Strukturen verwalte, wird den Wandel kaum erfolgreich gestalten. Dafür braucht es die richtigen Persönlichkeiten, passende Rahmenbedingungen – und dann vor allem den Mut zum Anpacken.“
Für Andreas Widl ist Transformation in erster Linie eine Führungsaufgabe. Neue Technologien entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn Menschen bereit sind, Veränderungen anzunehmen und aktiv mitzugestalten. Dazu gehöre ebenso, sich mit den richtigen Partnern zu umgeben, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzubringen und Entscheidungen nicht endlos aufzuschieben. Gerade komplexe Veränderungen gelingen nur, wenn Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird und Fachkompetenz dort eingebunden wird, wo sie gebraucht wird. Führung bedeutet deshalb nicht, alles selbst zu entscheiden, sondern die richtigen Menschen zusammenzubringen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Walter betont: „Wir brauchen mehr denn je charismatische Führungspersönlichkeiten, die auf Fachkenntnissen aufbauen, Menschen begeistern und schnell sowie konsequent Entscheidungen treffen.“
SAMSON nutzt digitale Zwillinge, Machine Learning und KI-Anwendungen, um Anlagenzustände zu analysieren, Wartungen vorausschauend zu planen und Produktionsprozesse kontinuierlich zu optimieren. Auch große Sprachmodelle kommen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen zum Einsatz – etwa in der Softwareentwicklung, der Dokumentation oder der Wissensbereitstellung.
Für den CEO steht dabei immer der Kundennutzen im Mittelpunkt. Innovation müsse Probleme lösen und Prozesse vereinfachen. „Wenn wir keine Lösungen haben, dann suchen wir sie“, so Widl. Für Günter Walter ist genau diese Verbindung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „SAMSON stellt ein technologisches Spitzenprodukt her, das permanent weiterentwickelt wird. Das Unternehmen hat ein gutes Gespür für den Markt, einen starken Vertrieb und Top-Mitarbeiter. Es erkennt frühzeitig die Anforderungen der Kunden und richtet seine Innovationen konsequent daran aus.“
Dass SAMSON diesen Weg konsequent verfolgt, ist kein Zufall. Das Unternehmen blickt als Familienunternehmen auf eine über mehrere Generationen gewachsene Unternehmensgeschichte zurück. Diese langfristige Perspektive schafft Freiräume für Entscheidungen, die nicht auf den nächsten Quartalsbericht zielen, sondern auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Gerade darin sieht Burghardt eine besondere Stärke vieler Familienunternehmen. Sie verfügen häufig über die notwendige Unabhängigkeit, um antizyklisch zu investieren, Verantwortung für den Standort zu übernehmen und Transformation langfristig zu gestalten. Damit können sie zu wichtigen Impulsgebern für den Industriestandort Deutschland werden. „Zu den zentralen Herausforderungen vieler mittelständischer Unternehmen gehört heute eine ganzheitlich gedachte Unternehmensnachfolge“, sagt Walter. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Besetzung der ersten und zweiten Führungsebene.“
Nachfolge bedeute auch, dass viele Unternehmen gleichzeitig ihre Organisation so weiterentwickeln müssen, dass sie auch zukünftigen Anforderungen gerecht werde. „Parallel dazu gilt es, die passenden Strukturen für eine zukunftsfähige Organisation zu schaffen. Führung und Organisation müssen sich gemeinsam weiterentwickeln – nur dann kann Transformation nachhaltig gelingen,“ so Burghardt. Transformation sei deshalb immer auch Organisationsentwicklung. Die richtigen Führungspersönlichkeiten seien eine notwendige Voraussetzung – ebenso wichtig seien jedoch klare Verantwortlichkeiten, effiziente Prozesse und eine Unternehmenskultur, die Veränderungen zulässt und fördert.
Die Geschichte von SAMSON zeigt: Erfolgreiche Transformation beginnt nicht mit Technologie allein. Sie braucht eine klare Vision, unternehmerischen Mut und Führungspersönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen. Sie verlangt Investitionen, konsequente Entscheidungen und die Bereitschaft, bestehende Strukturen immer wieder neu zu denken. Und sie gelingt dort, wo Unternehmertum und Leadership zusammenkommen.
SAMSON AG
| Dr. Andreas Widl, promovierte Physiker und Vorstandsvorsitzende von SAMSON zählt zu den prägenden Führungspersönlichkeiten des deutschen Mittelstands. Seit 2015 treibt er die strategische Neuausrichtung des weltweit führenden Anbieters von Mess-, Regel- und Automatisierungstechnik voran. Mit rund 5.000 Mitarbeitenden und Standorten in über 40 Ländern ist das Unternehmen global erfolgreich – und investiert dennoch konsequent in den Standort Deutschland. |
Günter Walter
Partner, Personalberater, Executive Search
Liebich & Partner
Insgesamt hat Günter Walter in seiner Beratungskarriere mehr als 300 Führungskräfte-Positionen passend und langfristig für Unternehmen und Organisationen besetzt. Der Profi zählt zu den Erfolgsgaranten …
Profil
Dr. Jan Burghardt
Partner, Managementberater, Trainer & Coach
Liebich & Partner
Dr. Jan Burghardt versteht es Menschen zu leiten und Organisationen erfolgreich zu gestalten. Als ausgesprochener Generalist mit viel Tiefenwissen prägt er nicht nur durch seine …
ProfilOffene Stellen können nicht besetzt werden. Arbeit verdichtet sich. Die Menschen in Unternehmen müssen mehr leisten.
Diese Re-Strukturierungen über Ländergrenzen hinweg haben weitreichende, aber absehbare Folgen.
An article by Margriet Bleeker of SDH - Agilium Worldwide’s executive search firm in the Netherlands.