Erfolg und Karriere beginnen im Kopf

Von Frauke Tietz 26. September 2019

„Ich will irgendwann da oben stehen, wo die Frau Falk gerade stand," diese Worte gehen der frisch gekürten CIO of the year 2019 nach der Preisverleihung unter die Haut. Sie machen deutlich, wie sehr Frauen von anderen Frauen in Sachen Karriere profitieren. Wir sprachen mit Brigitte Falk, die gestern bewegt und überglücklich den Award im Rahmen der Awardserie "Woman in IT" in Berlin entgegen nahm. Wir sprachen mit ihr über Führungsverantwortung, Female Shift, Frauennetzwerke und ihre persönlichen Ziele.  

L&P: Was bedeutet Ihnen der Gewinn des Awards CIO of the Year 2019?

Brigitte Falk: Es ist wichtig zu zeigen, wer die Frauen sind, die in Führungsverantwortung stehen und vor allem, wie unterschiedlich ihre Karrierewege verlaufen. Es gibt nicht den einen Königsweg. Ich selbst bin Quereinsteigerin in die IT-Branche. Ich habe eigentlich Kunst und Pädagogik studiert, mich aber schon immer für Naturwissenschaften interessiert. Und so bin ich schließlich in der IT gelandet. Mein Kerninteresse lag im Studium beim Thema Innovation. Auch meine Diplomarbeit habe ich über kreative Personen, Prozesse und Produkte geschrieben. Im Grunde genommen war es eine Vorwegnahme der Design Thinking Methoden – und dies lange bevor die entsprechenden Tools unter diesem Begriff beschrieben und allgemein zugänglich wurden.

Gerade heute, wo Digitalisierung in aller Munde ist, und der Mittelstand dem Thema noch ziemlich ratlos gegenübersteht, ergeben sich zahllose Chancen für Frauen, die auf Basis einer agilen Vorgehensweise eine Führungsrolle in der IT übernehmen wollen – insbesondere wenn sie selbstbewußt und mit betriebswirtschaftlichem Sachverstand an die Sache herangehen.

L&P: Worin sehen Sie den Mehrwert von Awards speziell für Frauen?

Brigitte Falk: Leider leben wir in einer Zeit, in der es so etwas noch geben muss. Ich stelle mir die Zukunft dieser Awards ein bißchen so vor, wie die Geschichte der Mikrokredite in Bangladesh, die das Ziel hatten, die Armut ins Museum zu befördern. So sehe ich die Auszeichnungen für Frauen als eine notwendige Zwischenstufe, bis die Gesellschaft begriffen hat, dass sie mit Diversity weiter kommt als mit nur einer Kategorie Mensch, bevorzugt mit weißen Männern. Es ist ja ein ganz eingeschränkter Kreis, der die wirklich großen Unternehmen leitet. Stand heute finde ich es wichtig, dass Awards für Frauen in Europa auch den Wettbewerb untereinander fördern. Es fühlt sich gut an, nicht die Einzige zu sein, die in der IT ihre berufliche Heimat gefunden hat.

L&P: Eine Preisverleihung ist ja auch eine gute Gelegenheit zum Netzwerken. Frauen wird oft unterstellt, dass sie keine guten Netzwerkerinnen sind, was das Geschäftliche angeht. Wie sehen Sie das und haben Sie Erfahrungen speziell mit Frauennetzwerken?

Brigitte Falk freut sich über die Auszeichung zur CIO of the year 2019

Brigitte Falk: Ich selbst bin Mitglied bei den Spitzenfrauen Baden-Württemberg. Dort sind nur Frauen, die entweder selbst ein Unternehmen führen oder eine Position im oberen Management haben. Das Netzwerk ist branchenunabhängig und es gibt kaum IT-Frauen unter Mitgliederinnen. So bekomme ich einen Einblick in andere Bereiche. Mich interessiert vor allem, wie ich Businesswissen in IT packen kann. In einem reinen Netzwerk für IT-Führungsfrauen würde ich mich nicht so wohl fühlen, zumal es da wohl auch ziemlich einsam wäre. Es gibt einfach noch nicht genug top-Frauen in MINT-Berufen. Außerdem möchte ich auch nicht auf den Austausch mit Männern verzichten. Ich gehe auf Fachkonferenzen und baue mir so mein Netzwerk auf, das zugegebenermaßen zu neunzig Prozent männlich ist. Ich bin sehr stolz auf die Auszeichnung, möchte aber davor warnen, Frauennetzwerke als Schneckenhaus zu nutzen. Emanzipiertes Verhalten ist es, sich auf allen Ebenen zu bewegen. Und die IT-Branche ist bisher männlich geprägt, folglich muss ich mich auch dort behaupten. Mich interessieren auch die Menschen an sich. Ist mein Gegenüber ein innovativer Typ, was treibt sie an, wie geht sie mit Führung um, welche Projekte hat sie gemacht von denen ich lernen kann? Da ist es doch egal, ob ich mit einem Mann oder einer Frau spreche.

L&P: Worin sehen Sie die besondere Herausforderung für Frauen, die beruflich vorankommen wollen, vor allem in technischen Berufen?

Brigitte Falk: Viele Frauen wurden zum Bravsein erzogen. Das ist heute leider immer noch so. Greift eine Frau durch, ist sie plötzlich die Ziege während das gleiche Verhalten einem Mann Respekt einbringt. Das habe ich am eigene Leib erfahren. Strategisch sinnvolles Vorgehen und wertschätzende Kommunikation sind für mich selbstverständlich auch wenn ich eine betriebsbedingte Kündigung aussprechen musste oder ein Projekt stoppen. Eine konsequente Vorgehensweise im Management entspricht jedoch nicht den Rollenklischees über Frauen. Deswegen musste ich mich unabhängig von der Meinung anderer machen und das Gefängnis, das sich auch in meinem eigenen Kopf befand, verlassen. Inzwischen ist es mir egal, wenn ich gegen die Norm verstoße. Das war für mich die größte Herausforderung. 

L&P: Female oder Gender Shift ist einer der Megatrends dieses Jahrhunderts. Was raten Sie Unternehmen vor diesem Hintergrund, wie sie sich personell und organisatorisch aufstellen sollen? Stichwort: People Strategy.

Brigitte Falk: Viele Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter wie Kinder. Da muss man um alles bitten und betteln. In manchen Firmen dürfen Mitarbeiter nicht mal einfach aufs Klo. Der erste Schritt ist also – völlig unabhängig von Gender Shift, dass alle erwachsen werden. Führungskräfte brauchen eine positive Einstellung den Menschen gegenüber. Für die Weiterentwicklung einer Firma ist es essentiell, davon auszugehen, dass ihr Team gute Arbeit leisten will und ich als Führungskraft dafür zuständig bin, die Strukturen im Rahmen meiner Möglichkeiten zu schaffen. Unternehmen täten gut daran, ihren Mitarbeiten mehr Freiheiten zu geben und Ideen willkommen zu heißen. SAP ist da sehr vorbildlich. Es gibt Tandemstellen für Manager, die letztendlich dazu führen, dass Silos und Rollenklischees aufgelöst werden. Homeoffice ist selbstverständlich und zwar ohne vorher den Chef zu fragen. Auch Teilzeit sollte kein Modell nur für Frauen sein, insbesondere vor dem Hintergrund Kinder oder die kranke Mutter zu versorgen. Nein, die Gründe sind egal, wer warum auch immer Teilzeit arbeiten möchte, sollte dies selbstverständlich tun können – egal ob Mann oder Frau.

L&P: Was sind Ihre nächsten persönlichen und beruflichen Ziele?

Brigitte Falk: Ich bin im Augenblick auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und möchte mehr strategisch arbeiten. Dabei ist es mir wichtig, dass diese Strategien zum Unternehmen passen und entsprechend umsetzbar sind. Ich sehe mich in der Rolle der erweiterten Geschäftsführung und würde mich dort gerne dem Thema Digitalisierung annehmen. Denn dieses Thema zieht sich durch die ganze Firma, entsprechend sollte die Person, die das Thema verantwortet, auch bei allen Entscheidungsprozessen dabei sein. In manchen Firmen nennt sich diese Position Chief Digital Officer (CDO) aber als CIO kann ich das auch machen. So einen Position kann auch eine Schnittstelle sein, die Marketing und Kommunikation berührt. Dort gibt es viele Möglichkeiten beispielsweise für New Work und Change oder HR, um dort digital voran zu kommen. Für eine interessante Option bin ich jederzeit über LinkedIn oder Xing ansprechbar.

L&P: Herzlichen Glückwunsch zum Award und viel Erfolg. Wir danken für das Interview.

 

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