LuPe 29: Kulturwandel Jetzt!

Von Felix Pliester 19. Juli 2019

Wahre Schönheit kommt von innen. Wahre Zukunftsfähigkeit auch. Krawatten gegen Turnschuhe auszutauschen reicht nicht, um Unternehmen für eine dynamische Welt flott zu machen. Die gelebte Unternehmenskultur entscheidet mit über den künftigen Erfolg. Beherrschen Grabenkämpfe, Konkurrenzdenken, Bürokratie und Stress den Alltag, ist bildlich gesprochen Sand im Getriebe und das im komplexen, unsicheren Umfeld erforderliche flexible Handeln schlichtweg unmöglich. Da hilft kein noch so hartes Führungskräftetraining. Es behandelt nur Symptome, während die eigentlichen Fehler im System liegen.

Wie kommt man zu einer Kultur des Miteinanders, in der jeder eigenständig für sich und alle gemeinsam im Sinne des Unternehmens an einem Strang ziehen? Am ehesten durch Einigkeit über das Wozu und Wie. Das zu erreichen setzt aber die Bereitschaft zu systemischem Denken voraus. Und den Abschied von Worthülsen. Ein strukturierter erster Schritt ist die Verortung der aktuell gelebten Kultur im Unternehmen. Erst dann können sinnvolle Maßnahmen zur kulturellen Entwicklung der gesamten Organisation, einzelner Teams oder Menschen ergriffen werden.

Eine Momentaufnahme der Kultur erhält man durch Befragung der Menschen im Unternehmen. Je mehr quer durch alle Hierarchien, Bereiche, unabhängig von Alter und Geschlecht mitmachen, desto exakter wird das Bild, das entsteht. Einen Leitfaden dazu bildet das integrale Kompetenzmodell. Es betrachtet die Kultur im Unternehmen aus vier Perspektiven, aus individueller und kollektiver Sicht, nach innen und nach außen.

In jedem dieser vier Bereiche wird der Entwicklungsstand spezifischer kultureller Merkmale wie beispielsweise Vertrauen oder Kommunikationskultur ermittelt. Grundlage dafür ist die Entwicklungstheorie menschlicher Wertesysteme in Anlehnung an Clare W. Graves. Diese Theorie basiert auf der Idee, dass sich Kultur, also wie Welt gesehen und mit ihr umgegangen wird, gleich einer Spirale von Stufe zu Stufe fortentwickelt – im stetigen Konflikt zwischen Kooperation und Selbstbehauptung.

Der Veränderungsdruck hin zu einem eigenverantwortlichen, sinngeleiteten Miteinander steigt.

Mit jeder Entwicklungsstufe steigen die Kompetenzen im Umgang mit Komplexität. Zu Beginn der Menschheitsgeschichte ging es ums pure Überleben des Einzelnen, später um die Sicherheit des Stammes etc. Heute, einige Kulturstufen weiter, arbeiten die meisten Unternehmen umsatzorientiert am eigenen Erfolg oder, auf der nächsten Stufe, bereits wertschätzend teamorientiert. Doch der Veränderungsdruck hin zur folgenden Ebene, zu einem sinngeleiteten, eigenverantwortlichen Miteinander, steigt.

Das integrale Kompetenzmodell zeigt Unternehmen, in welchem Bereich sie mit welchen kulturellen Merkmalen auf welcher Entwicklungsstufe stehen. Themen, die bislang unterentwickelt sind, können nun gezielt gefördert werden. Denn die These lautet: Bewegt sich das Unternehmen kulturell durchgängig auf einer Entwicklungsstufe, sind Wertekonflikte und Reibungsverluste gering. Dann läuft es mit oder ohne Turnschuhe im Unternehmen. Wenn die Kultur außerdem zu den Anforderungen des äußeren Umfelds passt, steht dem Unternehmenserfolg nichts mehr im Wege.

Die gute Nachricht, die kulturelle Verortung des Unternehmens dauert nicht lange. Bereits innerhalb weniger Tage kann man einen dezidierten Eindruck erhalten. Die schlechte Nachricht, der kulturelle Wandel dauert. Also besser heute als morgen anfangen.

#New Work #Organisationsentwicklung #LuPe

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